Genügend Lebensmittel zu produzieren und gleichzeitig die Belastungsgrenzen der natürlichen Systeme nicht zu überschreiten, ist die größte Herausforderung für die Landwirtschaft der Zukunft. Gleichzeitig muss sich auf Seiten der Verbraucher*innen etwas ändern. Im Moment essen die Menschen noch zu viel Fleisch- und Milchprodukte, zu fettreich und zu süß. Das ist nicht gut für die Gesundheit, aber auch nicht für die durch Land- und Forstwirtschaft beanspruchten Ökosysteme.
Das Klimaschutzpotenzial der Wälder
Wälder sind Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen. Sie speichern und filtern Wasser. Ihre Bäume und andere Pflanzen wandeln CO2 in Sauerstoff um und binden Kohlenstoff aus der Luft. Für das Klima haben sie damit als natürliche Kohlenstoffspeicher und -senken eine besondere Bedeutung. Sie liefern Holz, das als nachwachsender Rohstoff vielfältig genutzt werden kann. Wälder besonders zu schützen und langfristig ökologisch zu nutzen, trägt deshalb direkt zum Klimaschutz und zum Erhalt von Biodiversität bei. Weltweit sind in den vergangenen hundert Jahren die Waldbestände der Erde durch intensive Nutzung und Rodungen für landwirtschaftliche Produktion um etwa die Hälfte zurückgegangen. In Deutschland ist die Waldfläche in den letzten Jahrzehnten zwar stetig gewachsen. Allerdings ist ein Fünftel der Bestände (entspricht 2,4 Millionen Hektar) akut durch den Klimawandel bedroht, hauptsächlich Monokulturen. Um die Resilienz des Waldes zu erhöhen, müssten mehr Waldflächen sich von Monokulturen in Mischbestände entwickeln und Wirtschaftswälder schonender genutzt werden. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass der Holzbedarf gesenkt wird, indem es effizienter vor allem für Holzprodukte genutzt und weniger direkt für Bioenergie verbrannt wird.
Natürliche Senken stärken
Der erste Schritt im Klimaschutz ist immer, Emissionen so weit wie möglich zu mindern. Aber selbst im ambitioniertesten Szenario bleiben Restemissionen – etwa aus der Landwirtschaft. Diese können durch natürliche Kohlenstoffsenken oder durch technische Optionen wie die Kohlenstoffentnahme aus der Luft ausgeglichen werden. Wälder, Moore und Seegraswiesen sind Ökosysteme, die Kohlenstoff aufnehmen und binden können. Sie spielen daher eine wichtige Rolle für den Klimaschutz. Gleichzeitig sind sie von den Folgen des Klimawandels bedroht. Extreme Bedingungen wie Dürre und Sturm sowie Krankheiten und massenhafter Käferbefall an Bäumen beeinflussen die Senkenleistung negativ. Waldmodelle wie das am Öko-Institut entwickelte FABio-Forest Modell helfen bei der Projektion der Waldentwicklung und somit der Einschätzung laufender und geplanter Schutzmaßnahmen.
Nachhaltige Landwirtschaft stärken
Landwirtschaft ist die Grundlage unserer Ernährung. Etwa die Hälfte der Landesfläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Dabei ist die landwirtschaftliche Produktion abhängig von natürlichen Prozessen und damit ganz besonders dem Klimawandel ausgesetzt. Gleichzeitig trägt sie zum Klimawandel bei: 63 Millionen Tonnen Treibhausgase emittierte der Landwirtschaftssektor im Jahr 2023, das entspricht neun Prozent der deutschen Gesamtemissionen. 56 Prozent der Emissionen stammt direkt aus der Tierhaltung; etwa ein Viertel der Emissionen stammt aus dem Pflanzenbau und entsteht zum Großteil durch die Stickstoffdüngung. Die restlichen 20 Prozent stammen aus dem Energieeinsatz für landwirtschaftliche Maschinen, der Vergärung von Energiepflanzen und sonstigen Düngeranwendungen.
Die Emissionen aus der Landwirtschaft lassen sich über technische Minderungsmaßnahmen, aber vor allem über eine Änderung der Nachfrage reduzieren. Eine reduzierte Nachfrage nach tierischen Produkten kann zu einem Rückgang der Tierbestände beitragen und damit die Emissionen des Sektors reduzieren. Gleichzeitig sinkt damit der Flächendruck, da weniger Fläche für die Produktion von Tierfutter benötigt wird. Die verfügbare Fläche kann für die Wiedervernässung von Moorstandorten, Biodiversitätsflächen oder auch zur Schaffung einer neuen Kohlenstoffsenke auf landwirtschaftlichen Flächen – so zum Beispiel durch eine kombinierte Land- und Forstwirtschaft im Agroforstsystem – führen. Bei der Transformation der Tierhaltung zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und der Verringerung der Viehbestände sollte die Umstellung auf mehr Tierwohl, eine graslandbasierte Fütterung und eine Verringerung der regionalen Konzentration von Tierbeständen berücksichtigt werden. Allerdings ist eine Umstellung der Tierhaltung nur möglich, wenn sie wirtschaftlich tragfähig ist und die Betriebe Zugang zu alternativen Einkommensquellen haben. Durch die Nachfrage nach vielfältigen und nachhaltig produzierten Agrarprodukten entscheidet vor allem die Gesellschaft darüber, was und wie die Landwirtschaft produziert.
Im Agrarbereich braucht es einen breiten gesellschaftlichen Diskurs sowie klare politische Ziele und Maßnahmen verbunden mit einem Zeit- und Finanzierungsplan für eine Agrarwende hin zu einer umweltverträglicheren und nachhaltigeren Agrarproduktion.
Die Ernährung der Zukunft
Anbau, Verarbeitung, Transport und Lagerung von Lebensmitteln, aber auch ihre Zubereitung und die Entsorgung von Resten verursachen rund 15 Prozent der Treibhausgasemissionen des privaten Konsums. Werden andere Umweltbelastungen wie beispielsweise die Belastung von Böden und Gewässern durch den Eintrag von Nitrat oder der Schwund von Biodiversität durch Pestizide und Monokulturen mitbetrachtet, steigt der Anteil auf über 25 Prozent der durch privaten Konsum verursachten Schäden für Umwelt und Klima. Gleichzeitig wird nur ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche für den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln genutzt, dagegen mehr als die Hälfte für die Bereitstellung von Futtermitteln für Tiere.
Eine stärker pflanzenbasierte Ernährung zu fördern ist der wirkungsvollste Hebel, um unsere Ernährung nachhaltiger zu gestalten. Essen wir mehr Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse und weniger tierische Produkte, kann der Tierbestand reduziert werden, was sich positiv auf Umwelt, Klima und Biodiversität auswirkt. Mehr pflanzliche und ökologisch erzeugte Lebensmittel, die regional angebaut und verarbeitet werden unterstützen die nachhaltige Transformation des Ernährungssystems. Zudem wirkt sich der ökologische Landbau vorteilhaft auf Böden, Gewässer, biologische Vielfalt und Klima aus. Den Bioanbau von Lebensmitteln zu stärken und gleichzeitig die Produktivität ökologischer Landwirtschaft zu verbessern, trägt daher unmittelbar zur nachhaltigen Ernährung bei. Kurze Wertschöpfungsketten für Lebensmittel sind eine weitere Strategie für ein nachhaltiges Ernährungssystem. So wird der Anbau kleinteiliger und vielfältiger, die Wertschöpfung bleibt in der Region und schafft Vertrauen sowie Wertschätzung für die Nahrungsmittelproduktion vor Ort.
Weitere Informationen
- Themenschwerpunkt „Landwende“ beim Öko-Institut
- Themenwebsite „Waldvision – Ideen für eine ökologischere Waldwirtschaft“
- Report “Nature-based solutions for climate and biodiversity protection in selected national climate contributions” des Öko-Instituts (2025)
- Policy Brief „Landwende – Strategien und Lösungen für eine nachhaltige Landnutzung“ des Öko-Instituts (2024)
- Abschlussbericht „Auswirkungen der energetischen Nutzung forstlicher Biomasse in Deutschland auf deutsche und internationale LULUCF-Senken (BioSINK)“ des Öko-Instituts (2024)
- Zwischenbericht „Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz: Wie können Synergien zwischen Biodiversitäts- und Klimaschutz gehoben werden? Eine Analyse ausgewählter Wechselwirkungen im UBA-Forschungsprojekt zu Szenarien für den Natürlichen Klimaschutz“ des Öko-Instituts (2024)
- Pressemitteilung „Pflanzlich, ökologisch, regional – die Ernährung der Zukunft“ des Öko-Instituts (2023)
- Report „Germany’s Agricultural Land Footprint and the Impact of Import Pattern Allocation” (2022)
- Studie „Waldvision Deutschland“ des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace (2018)